Unerwartet gute Erfolge mit Rückenmarkstimulation bei RLS

Professor Mauro Manconi, Leiter der Schlafmedizin des Neurozentrums der Südschweiz: «Wir erzielten unerwartete und brillante Ergebnisse durch die Implantation eines völlig neuen elektrischen Stimulators in das Rückenmark bei zwei Patienten mit sehr schwerem RLS. Bei einer Patientin wurde eine vollständige Linderung der Symptome erreicht.»

Am Online-Symposium of Sleep vom 22. Okt. 2020 stellte Sandra Hackethal die Methode vor. Man nennt sie auf Englisch Spinal Cord Stimulation SCS. Die Methode wird bereits seit 50 Jahren bei chronischen Schmerzpatienten angewendet und ist breit etabliert und erforscht. Bereits seit 2016 wurden acht Schmerzpatienten, die auch unter RLS litten mit SCS behandelt. Die Resultate bezüglich RLS fielen unterschiedlich aus: Von drastischer bis moderater Abnahme der RLS-Symptome. Damit war die Evidenz erbracht, dass SCS RLS-Symptome bis zu 100 Prozent reduzieren kann. Ziel der Behandlung ist es, nicht nur die Beinbewegungen (PLMS), sondern auch die sensitiven Störungen (heisse Füsse, Ameisenlaufen, Schmerzen usw.) und die Schlafunterbrechungen zu reduzieren oder vollständig zum Verschwinden zu bringen.
Am Neurozentrum der Südschweiz wurden einer 44 jährigen Frau mit einem RLS Schweregrad von 34 Punkten (maximal 40 Punkte) ein Elektrostimulator eingepflanzt. Zuvor hatte die Frau alle bisherigen pharmakologischen Therapien hinter sich, ohne dass sich die Symptome wesentlich verbesserten.
Der Eingriff dauerte zwei Stunden, wobei die Patientin teilweise aus der Narkose geholt wurde, damit sie mitteilen konnte, ob und wie stark die Symptome nachliessen, je nachdem an welcher Stelle der Chirurg die Sonde platzierte. Die Patientin erfuhr so eine 100 prozentige Linderung der Symptome. Um die Wirksamkeit von SCS zu prüfen, wurde ein Schlafdiagramm mit eingeschaltetem Pulsgenerator gemacht und eines mit ausgeschaltetem Pulsgenerator. Bei ausgeschaltetem Generator stiegen die Beinbewegungen wieder drastisch an, bei eingeschaltetem sanken die Beinbewegungen auf null.
Bei der zweiten Patientin (78) sahen die Schlafdiagramme mit eingeschaltetem und ausgeschaltetem Pulsgenerator ähnlich gut aus. Die Symptome verschlechterten sich allerdings, als Sonde und Generator definitiv eingepflanzt wurden. Die Behandlung erfolgt jeweils so, dass etwa die ersten zwei bis drei Wochen der Pulsgenerator noch ausserhalb des Körpers angebracht wird. Erst wenn alles in Ordnung scheint, werden Sonde und Generator definitiv eingepflanzt. Der Generator wird im Lenden/Gesässbereich implantiert. Obwohl absolut die selben Materialien, derselbe Generator und dieselbe Technik angewendet wurde, verschlimmerten sich die Symptome wieder. Die Ärzte wollen jetzt herausfinden, woran das liegt.

Der Eingriff bei RLS-Patienten dauert etwa zwei Stunden.

Das Neurozentrum Südschweiz plant im Jahr 2021 einen strukturierten klinischen Versuch mit einer ausreichenden Zahl an Patienten. Dazu werden nicht nur RLS-Patienten gesucht, sondern auch finanzielle Mittel. Laut Professor Mauro Manconi kostet ein solcher Eingriff rund 20’000 Euro pro Patient. RLS ProScience Group unterstützt diese Forschung finanziell. RLS ProScience Group dankt Ihnen für Spenden in jeder Höhe.

Hier können Sie den Vortrag (in Englisch) von Sandra Hackethal in voller Länge anschauen:

Vortrag von Sandra Hackethal: Elektrostimulation als RLS-Therapie (englisch)

2 Kommentare

  1. Mitschang.
    Permalink

    Ich hoffe schon50Jahre!Und es hat sich nichts getan!Ich leide noch immer!!Die Betaubungstabletten(von den Neorologen schaden mehr als zu helfen!Haben sehr starke Nebenwirkungen! Frage dann: wo bleibt die Wirkung?)gibt es nur eine schlechte!

    Antworten
    • Gerhard Girschweiler
      Permalink

      Ich leide auch schon seit 25 Jahren an RLS. Und es wird mit dem Alter tendenziell immer schlimmer. Wie bei vielen RLS-Patienten nützen auch bei mir all die Pillen immer weniger. Ich habe auch die ganze Palette durch. Am Neurozentrum Südschweiz und anderen Kliniken hat man erkannt, dass vor allem die Augmentation das grosse Problem ist. Also die Verschlimmerung der Symptome, je mehr Medikamente man einnimmt. Professor Mauro Manconi meint dazu: “ Es besteht ein dringender Bedarf an neuen effektiven Behandlungsstrategien. Der Traum von einer sicheren und nachhaltigen Behandlung mit Dopamin-Agonisten ist nach und nach unter der Sonne der «Augmentation» geschmolzen. Augmentation ist die wichtigste langfristige Komplikation bei der Behandlung des RLS. Deshalb werden an seinem zertifizierten RLS-Care-Center nächstes Jahr weitere Test mit der SCS-Methode durchgeführt. Parallel dazu plant er auch eine klinische Studie mit einem neuartigen Medikament. Es scheint langsam etwas Bewegung in die leidige RLS-Szene zu kommen.

      Antworten

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.