Website-Icon RLS – Die vergessene Krankheit

Wenn die Schulmedizin nicht mehr hilft

Vera* alias Rumpelstilzchen wollte sich am liebsten in der Mitte zerreissen (siehe Blogbeitrag vom 10. März 2017), so stark quälten sie die Symptome ihres RLS. Die Tage und vor allem die Nächte waren katastrophal. Zusätzlich zum RLS wurde Anfang 2016 noch eine Polyneuropathie festgestellt. Diese beiden Krankheiten treten häufig gemeinsam auf. Die Schulmedizin half ihr in beiden Fällen nicht. Deshalb versuchte sie etwas Neues: sie meldete sich in einer TCM-Klinik (Traditionelle Chinesische Medizin) an. Jetzt kann sie unter anderem wieder längere Zeit sitzen.

Bearbeitung: Gerhard Girschweiler

«Ich schlief kaum zwei Stunden am Stück. Die Nächte waren Schwerstarbeit», sagt Vera:  Hausarbeiten verrichten (bügeln, Spülmaschine ausräumen), hin und her wandern mit heftigem treten in die Luft und boxen mit den Armen in der Hoffnung auf etwas Linderung, Dehnübungen, Gymnastik, extrem heiße Wärmflasche auf Extremitäten halten. Durch die PNP traten dazu noch Fremdkörper-, Manschetten- Taubheitsgefühle und Schmerzen auf. Tagsüber war sie hundemüde, schlief im Sitzen immer wieder kurz ein und ihr Bewegungsradius beschränkte sich auf ca. 500 Meter außerhalb des Hauses.

Neurologen am Ende ihres Lateins

«Mein RLS-Professor hatte vorgeschlagen seine Anweisungen zur Medikamentenanpassung per E-Mail zu kommunizieren, um mir weite Fahrten in seine Klinik zu ersparen», sagt Vera. Auf seine Verordnung schaufelte sie pro Tag 2 mal Sifrol 0,52mg ret (Dopaminagonist), 1 mal Sifrol 0,26mg ret, 2 mal Tramal long 50mg ret  (Opioid) und bei Bedarf 12 Tropfen Tilidin (Opioid) in sich hinein.  Aber dieser Chemie-Cocktail brachte keinerlei Erleichterung.

Vorgeschlagene Alternativen waren u.a. Medikamente, die sie in der Vergangenheit schon einmal genommen aber wegen heftigster Nebenwirkungen abgesetzt hatte. Das teilte sie dem Arzt mit.

„Langsam bekam ich Panik vor so viel Chemie.“

«Daraufhin  stellte er den E-Mail-Kontakt ohne Angabe von Gründen ein», erinnert sie sich. Auch der Neurologe, der die PNP diagnostiziert hatte konnte keine hilfreiche Behandlung vorschlagen..

«Langsam bekam ich Panik vor so viel Chemie und begann die Mengen der Medikamente nach und nach ohne ärztliche Hilfe zu reduzieren» erzählt sie. Sie schaffte es auf tgl. 2 mal je ½ Sifrol 0,18, 1mal 1 Sifrol 0,26ret, 2 mal 1 Tramal 50mg long und bei Bedarf 12 Tropfen Tilidin.

Alternative Medizin als letzte Chance

Weil sie in dieser Situation nur noch in einer stationären Behandlung mit alternativer Medizin eine Chance für sich sah, ließ sie sich  drei Wochen lang in der TCM-Klinik am Steigerwald unweit von Würzburg behandeln mit einem speziellen Dekokt (durch Abkochen von Kräutern erhaltener Extrakt), Akupunktur, diversen Körpertherapien, Linsen-Fußbädern und Fußeinreibungen.

Kräutermischungen statt Pillen.

Auf Anraten der dortigen Ärzte nahm sie die schulmedizinischen Medikamente weiter, reduzierte jedoch die Tilidin-Tropfen bis auf max. 2 mal 8 Tropfen täglich. Bei  schulmedizinisch „pharma-verseuchten“  Patienten wie in ihrem Fall gestaltet sich die alternative Behandlung des RLS schwieriger als bei Betroffenen, die noch keine Medikamente genommen haben und dauert länger.

Oberste Priorität: Das Wohlergehen der Patienten

Die Betreuung in der Klinik durch Ärzte, Körpertherapeuten und Pflegepersonal unterschied sich stark von der Arbeit  in schulmedizinisch ausgerichteten Häusern. In der TCM-Klinik hat das Wohlergehen jedes einzelnen Patienten oberste Priorität. Z.B. wurde die  Ausstattung der Betten mit Matratzen, Decken und Kissen völlig auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. Bei Bedarf wurde notfalls mehrmals „umgepackt“.  Für Zimmergenossen von „Schnarchern“ stand ein Ausweichzimmer bereit.  „Bei dieser Fürsorge fasst man Vertrauen, fühlt sich angenommen und wohl und ist dadurch auch bereit sich auf ungewohnte Behandlungen einzulassen“, lobt Vera.

Zahlreiche Körpertherapien unterstützen die Behandlung.

Langsam ging es Vera besser. Die Symptome sind zwar auch mehrere Wochen nach Verlassen der Klinik nicht völlig verschwunden, aber sie sind erträglicher geworden.

Wieder längere Strecken laufen

Sie kann wieder längere Strecken ohne Schmerzen laufen. Manche Nächte kann sie durchschlafen und tagsüber auch wieder einmal längere Zeit sitzen und z.B. einen Film am TV geniessen. Auf die Frage, was denn konkret zur Verringerung ihrer Symptome geführt hat, meint sie: «Das ist schwierig zu sagen. Es ist wohl die Kombination all der durchgeführten Behandlungen» und ergänzt: «Ob es auch nachhaltig wirkt, wird sich erst nach längerer Zeit zeigen.

Dank chinesischen Kräutermischungen RLS-Medikamente reduziert.

Zusätzlich zu den (reduzierten) RLS-Medikamenten der Schulmedizin nimmt sie jetzt drei verschiedene chinesische Dekokte (Kräutermischungen), die sie selber kocht. «Diese Dekokte muss ich über den Tag verteilt (1 Mischung vormittags, 1 Mischung nachmittags, 1 Mischung vor jeder Mahlzeit) trinken. «Außerdem mache ich bestimmte QiGong-Übungen, Linsenfußbäder, Abendfasten und koche vorwiegend vegetarisch» ergänzt Vera.

Den detaillierten Bericht von Vera über ihren Aufenthalt in der TCM-Klinik am Steigerwald können Sie hier downloaden. Erlebnisse in der TCM-Klinik

Mehr über die Behandlung von RLS mit Hilfe der TCM:
www.tcmklinik.de: Krankheitsbilder: Restless Legs (Ursachen, Behandlung, Erfolgsaussichten)

*Name geändert

Einige Bilder, die Vera während ihres Aufenthalts gemacht hat:

 

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