Alleine in Europa müssen 8 bis 24 Mio Menschen Medikamente gegen ihr RLS, einer heimtückischen neurologischen Krankheit, einnehmen. Dass die Ärzte dabei seit Jahrzehnten die „falschen“ Medis verschreiben, dämmert langsam vielen Fachärzten. Diesen Missstand deckt die Sonntags-Zeitung
Was die Zeitung verschweigt, ist der Fakt, dass die Initiatorin der RLS ProScience Group eine junge Ärztin war, die selber an schwerem RLS litt. Ja litt! Sie tut es jetzt nicht mehr, weil sie sich vor rund 10 Monaten das Leben nahm. Keine Behandlung hatte ihr geholfen, eine neue Therapie war nicht in Sicht. Ihre letzte Hoffnung war eine Pumpe, die kontinuierlich ein starkes Schmerzmittel (Opiat) abgab. Auch das nützte nicht.
Ich kannte die Ärztin und wir haben zusammen mit anderen Betroffenen beschlossen, gegen diesen Missstand etwas zu unternehmen. Entstanden ist die RLS ProScience Group. Das Ziel der Gruppe ist es, die Forschung für das Restless Legs Syndrom voranzutreiben, damit ein RLS-spezifisches Medikament entwickelt werden kann. Zuvor braucht es aber Druck auf die Pharma-Industrie, die (noch) kein Interesse daran hat, ein spezifisches Medikament gegen RLS zu entwickeln. Was die Ärzte zur Zeit den RLS-Patienten verschreiben, sind meist Parkinson-Medikamente. Die haben zwar manchmal eine beschränkte Wirkung. Mittel- und langfristig lösen die Medikamente oft das Gegenteil aus: Die Symptome verschlimmern sich und die anfänglich positive Wirkung verschwindet vollends. Während dessen verdient sich die Pharma-Industrie eine Goldene Nase mit den teuren Parkinson-Medis, die Millionen von RLS-Patienten verabreicht werden. Der Gewinn würde drastisch einknicken, wären nicht die RLS-Patienten so eifrige Abnehmer. Denn Parkinson-Betroffene gibt es relativ wenige: Nur etwa 0.1 Prozent der europäischen Bevölkerung ist davon betroffen. Beim RLS gehen die Fachleute von bis zu 10 Prozent aus. Rund 3 Prozent müssen medikamentös behandelt werden. Das sind 30 Mal mehr RLS-Patienten als Parkinson-Betroffene. Kein Wunder, verkauft die Pharma-Industrie lieber massenweise alte Parkinson-Medikamente, die bereits amortisiert sind, als mit aufwendiger Forschung und Entwicklung neue, zielgerichtete RLS-Medikamente zu entwickeln. Dabei würde sich dies langfristig für die Pharma-Industrie lohnen – bei 24 Millionen Betroffenen alleine in Europa!
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